Dienstag, 4. Juli 2017

Interview mit dem Autor Dietmar Cuntz vom Brighton Verlag


Der Autor Dietmar Cuntz vom Brighton Verlag hat uns eine Vorstellung von sich geschickt 

Hallo Michaela,

sitze gerade im Büro und will mich und meine Bücher kurz vorstellen.


Ich lebe in Frankfurt Main und bin Vater von drei erwachsenen Kindern. Seit langer Zeit bin ich als Richter am Amtsgericht Frankfurt tätig.
Zum Schreiben kam ich über meine berufliche Tätigkeit. Da ich täglich schreibe, hatte ich das Bedürfnis, mal etwas anderes zu schreiben, war auf der Suche nach einem Ausgleich. 
Trotzdem habe ich zuerst ein Sachbuch geschrieben, Von der Vormundschaft zur gesetzlichen Betreuung. Beim Schreiben habe ich jedoch gemerkt, dass jetzt ein Roman an der Reihe war.

Deshalb habe ich es mit einem ersten Krimi versucht. Ich war ziemlich unsicher, ob mein Krimi die richtige Spannung hat. Wurde dann aber von Freunden bestärkt, ihn zu veröffentlichen und bin an einen ausgezeichneten Verlag geraten, der mir sofort einen Vertrag anbot. Und nicht nur das. Es wurde mir auch angeboten, eine ganze Krimireihe zu schreiben.

Das Gefühl, ein eigenes Buch in den Händen zu halten, war fantastisch. Dieses Gefühl hat auch nach dem zehnten veröffentlichten Buch noch nicht nachgelassen.

Die Ideen für meine Krimis entstehen bei der Arbeit und beim Beobachten in der U Bahn, Spazieren, Joggen oder bei einem Museumsbesuch. Die Dauer für das Schreiben eines Krimis ist unterschiedlich. Manchmal gelingt es mir, einen Krimi in drei Monaten fertigzustellen, manchmal benötige ich sechs Monate. Ich schreibe nach dem Prinzip, täglich eine Stunde ist genug.

Natürlich stelle ich nicht die Uhr und breche nach einer Stunde ab, wenn ich noch Einfälle habe. Aber ich zwinge mich nicht, die Zeit auszudehnen, schon allein deshalb, um mich auf das Schreiben am nächsten Tag zu freuen. Aber eine Stunde konzentriertes Schreiben täglich muss sein, außer am Wochenende.

Über einen perfekten Schreibmoment habe ich noch nicht nachgedacht. Ich schreibe immer zur selben Zeit am selben Platz. Brauche dieses Setting.

Eine Schreibblockade hatte ich bisher noch nicht, eher das Gegenteil. Mir fehlt eher die Geduld, etwas wirken zu lassen, bevor ich weitermache.

Zum Glück schreibe ich nicht hauptberuflich! Dann wäre der Druck, etwas zu leisten und Erfolg zu haben zu groß. Als Kind hatte ich keinen Wunschberuf, habe mir keine Gedanken gemacht, habe gespielt.

Mein Schreibstil hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Wahrscheinlich habe ich anfangs noch sehr förmlich geschrieben und wenig Emotionen verwendet. Wie es eben so ist, wenn man jahrelang nur Urteile schreibt. Aufgelockert wurde diese Sprache durch fernöstliche Weisheiten. Ich glaube, dieser Stil macht die ersten Krimibände aus. In den letzten gibt es eine deutliche Bewegung zum

Dialog und zur Charakterisierung der Protagonisten, die ich auch gerne mit autobiografischen Zügen ausstatte. Die Herausforderung ein Buch zu schreiben ist immer etwas Besonderes. Der Glücksmoment vor einem leeren Blatt zu sitzen und nicht zu wissen, wie es gefüllt wird, ist einmalig. Es gehen viele Gedanken durch den Kopf, auch wenn das Gerüst der Handlung schon präsent ist. Trotzdem ist der Einstieg immer wieder einmalig.

Auch die Entwicklung des Buchs ist immer ein spannendes Gefühl. Die besten Ideen kommen mir beim Schreiben. Deshalb mache ich auch keine Gliederung.

Über den Besuch eines Protagonisten meiner Bücher würde ich mich natürlich freuen. Sicher ein guter Austausch. Vielleicht kann ich von ihm noch etwas lernen.

Nachdem ich jetzt zehn Krimis in der Mainhattan Krimi Reihe geschrieben habe, würde ich wahrscheinlich den ersten Band anders schreiben, obwohl mich die Handlung und Spannung des ersten Bandes immer noch überzeugt.

Aber ich habe mich beim Schreiben entwickelt, meine Sprache und die Handlungsführung hat sich verbessert und der Spannungsbogen wurde verbessert. Der Nachteil ist, dass ich bei den letzten Krimis kein Ende finde.

Bei den ersten Krimis war ich zu ungeduldig, jetzt ist es vielleicht zu ausführlich.

Tiere mag ich, besonders unsere Katze. Lieblingsessen ist eindeutig Fisch. Lieblingsautor, wahrscheinlich Simenon oder James Joyce. Lieblingsbuch, wahrscheinlich Hundert Jahre Einsamkeit.

Nicht leben könnte ich ohne eine Stunde Sport täglich, Joggen oder Radfahren und einer Stunde Musikmachen, Gitarre, Klavier. Da ich beruflich immer Lesen muss, kommt das Buchlesen eher am Wochenende dran.

Meine bisher veröffentlichten Krimis, acht sind auf dem Markt, zwei schlummern noch beim Verlag, spielen überwiegend in Frankfurt und in Emden. Emden war der Bezugspunkt. Dort fand ich genau die richtige Atmosphäre, um Pepe Socz und Bintje Hoop starten zu lassen. Emden hat auf mich immer einen leicht morbiden Charme und trotzdem eine aufregende, aber auch gelassene Stimmung. Die Ideen zu den späteren Krimis, die überwiegend in Frankfurt spielen, kommen aus meinen täglichen Beobachtungen. Natürlich ist alles immer fiktiv, auch wenn sich Bezugspunkte in der Wirklichkeit finden lassen. Das Ermittlerduo Pepe Socz und Bintje Hoop startet immer ruhig und lässig, kommt aber zunehmend in Verwicklungen, die es in sich haben. Sie passen sich unweigerlich der Situation an und suchen nach unkonventionellen Lösungen.

Vielen Dank für die Möglichkeit, meine Werke vorzustellen.
Bevor ich es vergesse, letztes Jahr habe ich Theaterstücke, Bahnfahrt nach Emden, veröffentlicht, um mal was anderes als Krimis zu schreiben.





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