Montag, 5. Juni 2017



LESEPROBE / Drei Wünsche - Psychothriller
Einen sonnigen guten Morgen Ihr Lieben! Ich freue mich sehr, Euch heute zwei Leseproben vorstellen zu dürfen. Zum Wachwerden geht es mit einem etwas ungewöhnlichen Psychothriller los, den ich unter dem Pseudonym "Ted McRied" geschrieben habe. Die Geschichte "Drei Wünsche" polarisiert, soviel ist klar. Ihr werdet sie lieben oder hassen :-)

KLAPPENTEXT
Drei freie Wünsche - führen sie ins Paradies oder geradewegs ins Verderben?
Als das Leben der Geschäftsfrau Olivia Davis beruflich wie privat in die Sackgasse gerät, sucht sie auf Empfehlung ihres Liebhabers Ben eine Wunderheilerin in den Hinterstraßen Londons auf. Doch hat die zwielichtige Alte tatsächlich übernatürliche Fähigkeiten oder verbirgt sich vielleicht etwas ganz anderes dahinter?
Freund oder Feind? Gut oder böse? Urteile selbst ...

LESEPROBE
Olivia ist inzwischen verzweifelt genug, um die undurchsichtige Wunderheilerin Madame Devaux gegen ihre eigentliche Überzeugung doch noch aufzusuchen:
Die Gasse ist keine vier Yards breit. Links und rechts davon ragen die Rückfronten der Gebäude in die Höhe. Obwohl sie nur aus drei Stockwerken bestehen, wirkt der Weg beengt und ruft klaustrophobische Gefühle in Olivia hervor – die eben noch helle Sommerkulisse verwandelt sich in ein düsteres Schattenkabinett, in das kein Sonnenstrahl mehr dringt. Langsam stöckelt Olivia vorwärts, penibel darauf bedacht, mit den hohen Absätzen nicht in einer der unregelmäßigen Spalten zwischen den Steinen steckenzubleiben. Der Zustand des Bodenbelags am Trafalgar Square ist neuwertig und ebenmäßig, einen um so sanierungsbedürftigeren Eindruck macht dagegen diese Buckelpiste. Olivia schaut sich um. Fenster gibt es nur wenige und die gesuchte Tür ist nirgends in Sicht. An einem der unteren Simse hängt ein Blumenkasten, dessen Inhalt alles andere als gesund aussieht. Die ehemals grünen Blätter sind trocken und braun, von Blüten keine Spur, was bei den Lichtverhältnissen wenig verwunderlich ist. Sie will gerade den Rückzug antreten, da fällt ihr Blick auf einen Treppenabgang am Ende der Gasse. Dort angelangt, stützt Olivia sich auf dem verrosteten Geländer ab und schaut in den Abgrund. Eine Blechplatte mit der Ziffer 24 lehnt in der Ecke und auf ihrer Augenhöhe prangen zwei Löcher in dem abgeblätterten Wandputz. An dieser Stelle muss das Schild früher gehangen haben. Fassungslos schüttelt sie den Kopf. Wie können die Besitzer das Haus nur so vernachlässigen? Vorne alles herausputzen und hinten verrotten lassen – was für ein Blendertum!
Sie steigt die Stufen bis zum Eingang hinab. Eine Klingel sucht Olivia vergebens, dafür ziert ein großer Messingring das dunkle Holz. Schwer schlägt das Metall gegen die Oberfläche und ein durchdringendes Klopfen hallt durch die schmale Gasse. Doch der Zugang ins Innere des Gebäudes bleibt verschlossen. Olivia schaut auf ihre Armbanduhr. Es ist Punkt elf. Bevor sie ein zweites Mal nach dem Ring greifen kann, schwingt die Tür knarrend auf.
Aus dem Inneren des Gebäudes mit der Hausnummer 24 weht Olivia ein modrig-feuchter Luftzug entgegen.
»Hallo?«, ruft sie in den Gang hinein. Mit spitzen Fingern stößt sie die Tür ein Stück weiter auf und tritt dann entschlossen über die Schwelle.
»Kann ich Ihnen helfen?« Die Stimme aus dem Schatten ist kratzig und rau. Selbst der französische Akzent macht sie keine Spur angenehmer.
»Ich will hoffen, dass Sie das können. Mein Name ist Olivia Davis und ich komme auf Empfehlung meines Freundes Ben.«
»Ben?«
»Benjamin Cole.«
Die Frau räuspert sich. »Dann weiß ich, wer Sie sind, Madame. Treten Sie bitte ein.« Kaum sind die Worte ausgesprochen, verschmilzt sie mit der Dunkelheit des Flurs. Aufgewirbelter Staub bringt Olivia zum Niesen, ärgerlich zieht sie die Nase hoch. Nicht einmal eine Lampe gibt es in dieser heruntergekommenen Absteige – so viel zum Thema »Büro in bester Innenstadtlage«. Nachdem die Haustür sich hinter ihr geschlossen hat, ist auch die letzte Lichtquelle versiegt. Fluchend tastet sie sich die sandige Wand entlang, wobei sich einige Fragmente herauslösen und leise zu Boden rieseln. Ungefähr in der Mitte des langen Ganges angekommen, springt endlich die Beleuchtung in Form einer flackernden Neonröhre an und offenbart das ganze Ausmaß des höhlenartigen Gemäuers: Diverse Abzweigungen führen vom Hauptgang weg, die vermutlich mitten im Nirgendwo enden. Die Elektrizität summt wie ein Schwarm aufgeregter Bienen über ihrem Kopf.
»Geradeaus, bitte«, ertönt die Stimme der Gastgeberin aus einiger Entfernung. Unwillig läuft Olivia weiter. Wie sie es hasst, Anweisungen entgegenzunehmen, noch dazu von Menschen, die ihr bei weitem nicht das Wasser reichen können. Hinter der nächsten Ecke bleibt sie stehen. Durch den Spalt einer Holztür dringt warmes Licht. Aufwendig geschnitzte Blumenranken verzieren die gesamte Oberfläche und widersprechen in ihrer Hochwertigkeit dem restlichen Umfeld in jeder Weise. Was sich beim Betreten des Zimmers offenbart, toppt diesen Eindruck noch um Längen. In Olivias Fantasie hat sich bereits das Bild einer buckeligen Frau mit unzähligen Warzen auf der alten Haut manifestiert – eingesunken in einen roten Plüschsessel, hinter klimpernden Perlenvorhängen. Was sich ihr hier präsentiert, hat jedoch rein gar nichts mit dieser klischeehaften Vorstellung gemein – zumindest nicht was die Einrichtung angeht. Wie es um die Optik dieser Madame Devaux selbst bestellt ist, vermag Olivia noch nicht zu beurteilen, da von ihr jede Spur fehlt. Verschluckt von den Untiefen des Kellerlabyrinths. Im Gegensatz zur restlichen Umgebung wirkt alles modern, ja, fast geschmackvoll. Kein kitschiger Krimskrams, weder Räucherstäbchen noch Kristallkugeln. Der Holzboden knarrt unter Olivias Füßen und ruft eine heimelige Wärme in ihr hervor, die sie das letzte Mal in frühester Kindheit verspürt hat – damals, als ihre Welt noch in Ordnung war. Die Wandgestaltung ist puristisch und hell, mit einem bodentiefen Spiegel, der den Raum größer wirken lässt, als er tatsächlich ist. Die cremefarbene Ledergarnitur im hinteren Teil macht einen einladenden Eindruck, einzig die flackernde Kerze vermittelt einen Hauch Esoterik. Olivia tritt an den Spiegel heran und zupft ihren Pony zurecht. Der Stress der letzten Tage ist nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Leichte Ringe zeichnen sich unter den Augen ab, die dieses Mal definitiv nicht der verwischten Wimperntusche angelastet werden können. Olivia hält inne und fährt mit dem Zeigefinger über die unschöne Einkerbung auf ihrer Stirn. Wo zum Teufel kommt diese Falte plötzlich her? Sie presst ihren Daumen auf den Makel, ohne dabei die Person zu bemerken, die sich ihr von hinten nähert. Erst als ein enormer Schatten Olivia die Lichtzufuhr abschneidet und der Duft eines unbestreitbar weiblichen Parfums ihre Nase erreicht, wird ihr klar, dass sie längst nicht mehr allein ist.
Eine Leseprobe vom Anfang des Buches findet ihr auf meiner Website https://www.tarariedman.de/ted…/drei-w%C3%BCnsche/leseprobe/
oder natürlich auf Amazon https://www.amazon.de/Drei-W%C3%BCnsche-Psych…/…/ref=sr_1_1…
Und solltet Ihr jemals drei Wünsche frei haben, hoffe ich sehr, dass Ihr sie besser einsetzt als meine Protagonistin Olivia :-)
Eure Tara

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