Montag, 5. Juni 2017

Interview mit Elisabeth Duncan




Unser Interview mit Elisabeth Duncan
Hallo Elisabeth, Schön dass Du Zeit für uns hast

Magst Du Dich unseren Lesern erstmal kurz vorstellen?

Gerne! Elisabeth Duncan ist ein Pseudonym, aber es ist nicht so wirklich weit weg von meinem Namen. Ich habe nichts zu verstecken, aber ich möchte nicht, dass an meinem Arbeitsplatz über meine Autorenarbeit gesprochen wird. Ich arbeite in der Altenpflege und da gibt es immer eine Menge Gerede. Ich habe schottische Wurzeln, daher der Name „Duncan“. Die liegen aber schon weit zurück, jedenfalls gilt bei mir folgender Reim:
„Wenn der Schotte spricht
versteht die Elisabeth das (meistens) nicht.“

Michaela: Oh ja Gerede gibt es schnell, aber nicht nur in der Altenpflege. Dein Reim ist lustig 😉

Wo lebst Du?

In Kölle! Das ist allerdings Wahlheimat, geboren bin ich in Frankfurt. Ich wohne nicht direkt in der Stadt, sondern außerhalb. Ich brauche es ländlich.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen, und welches war dein erstes Buch?

Jetzt kommt dieses „ich schreibe schon immer“, und das stimmt sogar. Aber bisher habe ich nur für mich geschrieben. Es war mir nie gut genug. Mein erstes Buch habe ich soeben publiziert: „Das Leben im Zeichen der Buschbohne“. Es ist am 20. Mai 2017 erschienen und es ist das erste Mal, dass ich nach dem Schreiben das Gefühl hatte, es zeigen zu wollen.

Wie hast du dich gefühlt nachdem du dein erstes Buch-Baby in Händen gehalten hast?

Einfach nur großartig! Zur Feier des Tages habe ich mit Baileys drauf angestoßen. Erst auf das Buch, dann auf Buschbohnen und dann auf – Moment, ja, dann noch mal auf Buschbohnen. Ich trinke eigentlich keinen Alkohol.

Michaela: Oh ich liebe Baileys, obwohl ich wie du eigentlich keinen Alkohol trinke 😉

Wo nimmst du die Ideen für deine Geschichten her?

Von überall aus dem Leben, aber ehrlich gesagt, meine Arbeit in der Altenpflege ist für mich eine großartige Inspiration. Ich arbeite nur im Nachtdienst und habe daher auch so richtig viel Zeit, um mal ein Gespräch zu führen mit den alten Leutchen. Die können ja nachts oft nicht so gut schlafen. Die Geschichten selbst flattern mir so zu, aber die Inspiration ziehe ich tatsächlich aus meiner Arbeit. Und das ist nicht das Schlechteste. Menschen interessieren mich, besondere Lebensläufe und Erlebnisse interessieren mich. Was die alten Menschen zu erzählen haben, hat mich schon schallend lachen lassen – und manchmal auch zum weinen gebracht. In sozialen Aufgabenbereichen menschelt es halt sehr. Wenn ich Akten stapeln und bearbeiten müsste, würde ich wahrscheinlich eingehen wie eine Primel.

Michaela: Oje nur im Nachtdienst stelle ich mir schwierig vor.

Wie lange brauchst du bis ein Buch fertig ist?

Keine Ahnung. Kann man das pauschalisieren? Ich habe nur eine halbe Stelle, das heißt, ich arbeite ungefähr 8 Nächte im Monat. Dadurch bleibt mir viel Zeit zum Schreiben. Ich habe schon Vollzeit gearbeitet, da blieb mir gar keine Zeit dafür, bzw. ich war zu ausgelaugt. An „Das Leben im Zeichen der Buschbohnen“ habe ich jetzt exakt ein Jahr gearbeitet. Geschrieben, mehrfach überarbeitet … jetzt war es reif. Ich habe aber auch viel mehr Zeit als andere Autoren durch diesen halben Job.

Michaela: Also waren deine Buschbohnen jetzt reif zum pflücken 😉

Kannst Du uns verraten welches Dein nächstes Projekt ist oder vielleicht um was es geht.

Ich habe da was auf dem Rechner, von dem ich aber noch nicht weiß, ob ich es fertig schreiben werde. Es fehlt mir noch der richtige Kick. Ich war bisher ziemlich mit meinen „Buschbohnen“ beschäftigt. Daher kann ich wirklich noch nichts dazu sagen, so gerne ich auch würde.

Michaela: Ich denke nach so einem Buchstart braucht man auch Zeit um sich auf ein neues Projekt einzulassen.

Was ist für Dich Dein perfekter Schreibmoment?

Wenn es draußen so richtig schön schüttet, am besten noch ein Gewitter tobt – und ich nicht raus muss. Ich sitze dann einfach gerne mit Unmengen von Kaffee, wahrscheinlich mit strubbeligen Haaren und im total unsexy Jogging-Outfit am Rechner und das sind die Momente, die mich richtig glücklich machen. Insbesondere, wenn ich nach so einem Tag feststelle, dass das, was ich geschrieben habe, auch ruhig so stehen bleiben kann.

Michaela: Das hört sich sehr gemütlich an.

Hattest Du auch schon eine Schreibblockade?

Ja, na klar. Aber das sehe ich nicht so dramatisch. Ich schreibe aus Liebe zum Schreiben, aus Liebe zu meinen Figuren und meinen Geschichten. Nicht weil ich muss. Niemand sitzt mir im Nacken, ich muss keine Termine einhalten. Das ist der beste Nährboden für Kreativität. Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, was sein könnte, wenn mir jetzt nichts mehr einfällt. Daher nehme ich solche Phasen sehr entspannt als Zeichen dafür, dass ich vielleicht was anderes machen sollte in solchen Zeiten.

Schreibst du Hauptberuflich?

Nein, und ich glaube, das würde ich auch gar nicht wollen. Ich liebe meine Arbeit, auch wenn das vielleicht nur wenige verstehen können. Man kann auch nicht nur am Rechner hocken und schreiben, ich jedenfalls nicht. Ich brauche Input. Andere Menschen, andere Aufgaben. Ich denke auch, das ist ganz wichtig für einen Autor, dass er nicht vollständig in seiner Geschichtenwelt versinkt, sondern noch genügend Außenkontakte hat. Natürlich hat man Freunde, man hat seine Familie. Aber ich zumindest – ich brauche Input von außerhalb. Außerdem sind die „Buschbohnen“ mein erstes Buch, daher stellt sich diese Frage im Moment ohnehin nicht.

Hattest Du Einfluss auf das Cover?

Mehr oder weniger. Es ist ja kein Geheimnis, ich bin „verlagsfrei“. Das war nicht immer so. Ich hatte tatsächlich für dieses Buch einen Verlagsvertrag, aber wir hatten da über diverse Dinge verschiedene Auffassungen. Also haben wir den Vertrag wieder aufgelöst. Mein Cover, wie auch meinen Buchsatz, hat Jörg Matern gemacht, professioneller Grafik-Designer und jetzt auch mein Herausgeber. Ich hatte Ideen, er hatte Ideen. Er hat seine Ideen prima umgesetzt und meine dabei berücksichtigt.

Was war dein Wunschberuf als kleines Kind?

Polizistin. Das war der große Wunsch, als ich noch klein war. Die fuhren alle schicke Motorräder und das wollte ich auch. Später habe ich das dann präzisiert: Ich wollte so gerne zur Mordkommission. Leider war ich diesem Verein zu klein. Mit 1,59 Körpergröße hat man da wenig Chancen. Heute vielleicht eher, damals nicht.

Michaela: Dann solltest du dich vielleicht mal an einem Krimi versuchen.

Was macht deinen Schreibstil aus?

Wahrscheinlich die Tatsache, dass ich mich zwar ernsten Themen widme, aber immer mit einer gewissen Leichtigkeit. Ich mag Humor, ich habe selbst eine Menge davon. In meiner Arbeit mit alten Menschen habe ich gelernt, dass alle Probleme, mit denen wir uns heute rumschlagen, auch diesen alten Menschen nicht unbekannt sind. Das Leben ist nicht immer leicht, aber wenn man es mit Humor nimmt und andere einfach „sein“ lässt, dann lassen sich auch schwierige Situationen überstehen. Und es muss keiner glauben, ich hätte noch keine Dramatik im Leben erlebt. Das habe ich, jede Menge sogar. Aber ich habe nur dieses eine Leben und mit einem Lächeln oder sogar mit einem schallenden Lachen lebt es sich einfacher. Und so schreibe ich auch.

Was war das verrückteste das du je gemacht hast?

Ein Buch geschrieben. Spaß beiseite, mir ist keine Achterbahn zu hoch, zu schnell oder zu wild. Und das ist verrückt. Immer wieder und oft mehrmals hintereinander.

Michaela: Oh Nein Achterbahnen sind für mich der Horror pur.

Was war die größte Herausforderung dabei, ein ganzes Buch zu schreiben?

Die Zweifel, die man während der Arbeit an der eigenen Arbeit hat. Bin ich gut genug? Ist die Story gut genug? Tatsache ist, ich habe bewusst drauf verzichtet, Freunde und Bekannte vorab lesen zu lassen. Vielleicht mögen sie es jetzt lesen, aber jetzt ist es ja auch offiziell. Meine engsten Freunde wissen daher erst, was ich da gemacht habe, wenn sie das Buch, das richtige Buch, in den Händen halten. Keine Version XY, die noch zig mal überarbeitet wird. Für mich ist das jetzt auch spannend, denn dadurch habe ich noch nicht ein einziges Feedback zu diesem Buch bekommen.

Was würdest Du tun, wenn Dich einer deiner Protagonisten plötzlich besuchen kommt?

Gute Musik auflegen, den Kamingrill auf der Terrasse anwerfen und mit ihnen über Gott und die Welt diskutieren. Wahrscheinlich würde Lucius sich dann entspannt im Sessel zurücklehnen, während ich mit Marietta über pädagogische Konzepte und den Sinn und Unsinn von irgendwelchen „Maßnahmen“ diskutieren würde. Kevin und Justin würden wahrscheinlich Mitleid bekommen und den Rasen in meinem Garten mähen, bis es dunkel wird. Und dann würden wir alle auf der Terrasse einpennen. Also sagen wir es so: ICH würde eine spontane Grillparty veranstalten, aber meine Protas können ja auch nicht aus ihrer Haut raus.

Und jetzt 10 Fragen, 10 spontane Antworten:

Welcher war der verrückteste/komischste Ort, an dem Du je geschrieben hast?

Ganz ehrlich, ich schreibe nur zu Hause am Rechner, bestenfalls auf der Terrasse und am Laptop. Wenn ich wirklich an verrückten und komischen Orten bin, genieße ich das voll und ganz und bin vom Schreiben weit weg. Das ist doch der Input, von dem ich bereits gesprochen habe. Sowas braucht man. Es mag Autoren geben, die immer und überall schreiben, aber ich versuche immer und überall mein Leben zu genießen. Was nicht heißt, dass ich es nicht genieße, wenn ich schreibe. Ich bin aber egal wo ich bin, immer mit 100 Prozent da. Verpeilt bin ich übrigens trotzdem.

Womit könnte man dir eine riesige Freude machen?

Mit einer Rolle in „The Walking Dead“. Und zwar nicht als Zombie.

Bitte ergänze folgenden Satz: Bücher sind für mich…

… eine Quelle von Wissen und Weisheit.

Was für Genres liest du selber, wenn du Zeit hast?

Quer Beet, ich bin da gar nicht festgelegt. Ich liebe Fantasy, lese gerne auch mal historische Romane, aber ich mag auch Psychothriller und ebenso lese ich gerne mal Erfahrungsberichte. Liebesromane lese ich auch, aber bei charakterlich einwandfreien Millionären, die einem armen Mädchen mit großer Liebe und voller Leidenschaft die Welt zu Füßen legen, reagiere ich allergisch. Ein guter Liebesroman muss für mich vor allem realistisch sein, mit Protagonisten, die ebenso realistisch sind. Die gibt es aber!

Michaela: Stimmt die Bücher mit den Millionären nehmen überhand.

Wenn du deinen ersten Roman nochmal schreiben könntest, würdest du etwas daran ändern?

„Das Leben im Zeichen der Buschbohnen“ kam ja soeben erst raus, also frag mich das vielleicht in zehn Jahren noch mal?

Was sind Deine Hobbys?

Ich bin da ganz langweilig, die meiste Zeit verbringe ich wahrscheinlich mit Serien, ich bin der totale Serienjunkie. Abgesehen davon verbringe ich meine Zeit am allerliebsten mit meinen Lieblingsmenschen. Grillen, Spaß haben, viel quatschen. Ach so, und wenn ich dann meine Serien konsumiere, stricke ich dabei oft. Ich habe es immer ein bisschen schwer, so einfach mal nichts zu tun, zumindest meine Hände müssen immer beschäftigt sein.

Hast Du ein Lieblingstier?

Ja, Hunde. Ich liebe sie. Am liebsten hätte ich ein ganzes Rudel, aber ich bin vernünftig und habe nur einen. Und der ist natürlich mein absoluter Liebling.

Ohne welche 3 Dinge könntest du nicht Leben?

Mein friedvolles Zuhause, meine Lieblingsmenschen und meine Tiere.

Hast Du ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautor?

Mrs. Rowling hat mich mit Harry Potter verzaubert und bisher konnte das noch keiner toppen. Aber das klingt jetzt, als würde mich sonst nichts interessieren, und so ist das auch nicht. Ich lese viel, wenn mir ein Buch von einem Autor gefallen hat, und ich sehe ein anderes von ihm oder ihr, kaufe ich mir das dann schon. Ich bin auch recht einfach zu begeistern, und an Harry Potter kann man ohnehin nichts messen, das wäre ungerecht. Ich bin also offen für alles. Ich schreibe auch Rezensionen, wenn mir ein Buch gefallen hat, weil ich das wichtig finde, insbesondere bei den Indies.

Was ist Dein Lieblingsessen?

Ich esse alles, außer Spargel, da wird mir schon vom Geruch schlecht. Aber am allerliebsten ist mir die koreanische Küche: Schön scharf, viel Gemüse, das nicht tot gekocht ist – sehr gesund.

Würdest Du uns Deine Werke vorstellen?

„Das Leben im Zeichen der Buschbohne, erschienen am 20. Mai 2017 als Printausgabe und als ebook, bisher exklusiv bei Amazon.
Bevor ich zu viel über mein Buch erzähle und damit die Spannung und die Neugier zerstöre, serviere ich hier lieber den Klappentext:
Marietta kommt aus gutem Haus, hat Probleme aller Art immer an sich abprallen lassen und ist in den Augen ihrer Mutter eine klassische Versagerin. Keine Ausbildung, jahrelanges Kellnern und ein abgebrochenes Studium der Sozialpädagogik – das spricht alles nicht gerade für sie. Doch gefiel ihr im Studium so einiges nicht, und sie hat da ihre ganz eigenen Theorien, warum Sozialpädagogen diese Welt nicht besser machen können. Marietta flüchtet zu Lucius, dem Mann mit dem Bauernhof, Selbstversorger und Marihuana-Produzent. Seit sie ihn kennt und liebt, pflückt sie lieber Tomaten und Buschbohnen, legt Wintervorräte an und verdient ihr Geld mit Kartenlegen. Da sind auch noch Kevin und Justin, zwei Jungs aus schwierigen Verhältnissen, Analphabeten und damit in den Augen der Gesellschaft ebenso klassische Versager. Und am Ende ist da immer wieder die Buschbohne, die der Beweis dafür ist, dass man die Früchte einer Pflanze nicht sehen kann, wenn man von oben draufschaut. Man muss sich schon auf Augenhöhe begeben. Ein humorvoller Roman gegen die Oberflächlichkeit im Leben.



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