Montag, 5. Juni 2017

Blitz Interview Joachim Widmann



Die Bloggerin Bea-Te Majewski fragt, ich antworte :)

Stell Dich bitte vor.

Ich bin Politik-Journalist und Medienmanager, Co-Chef und Gesellschafter zweier Journalistenschulen, habe neulich bei der Gründung zweier Zeitungen in Bangladesch geholfen und im Laufe der Jahre ungezählte Artikel über alles Mögliche sowie zwei Sachbücher über die DDR geschrieben (erschienen 1997 und 2003 – das erste ist seit 2015 mit neuem Vorwort als E-Book wieder zu haben: www.amazon.de/dp/B0163S2AQ4 ). Als Chronist des Lebens der Berliner Polizistin Sibel Schmitt habe ich seit 2015 drei Thriller veröffentlicht:
"Schmitts Hölle - Verrat": www.amazon.de/dp/B0114IS3U0
"Die Frau im roten Kleid": www.amazon.de/dp/B01LOBFW1U
und
"Schmitts Hölle - Countdown": www.amazon.de/dp/B01LYHP0BQ
(E-Books bei Amazon, gedruckt überall im Buchhandel)

Wie kamst du zum Schreiben?

Eigentlich hatte ich als Junge ganz andere Pläne, aber tatsächlich habe ich immer geschrieben. Ich wurde mit dreizehn Schülerzeitungsredakteur, habe als älterer Schüler für den Schulfunk gearbeitet, neben meinem Studium für Zeitungen geschrieben und wurde dann Journalist. Die beiden Sachbücher ergaben sich aus meiner journalistischen Arbeit – da gab es jeweils noch viel mehr zu erzählen, als in die Zeitung passte.

Woher kommt die Idee zu deinen Geschichten?

Meine Hauptfigur Sibel Schmitt tauchte Ende 2001 auf, so wie ein neuer Mensch in dein Leben tritt. Plötzlich war sie da: viel zu dünn, diese Narbe im Gesicht, wortkarg, hart wegen (und trotz) ihres Kindheitstraumas, intelligent und sensibel. Ich schrieb damals etwa sechzig Seiten einer Geschichte, in der Schmitt als Muslima auf islamistische Anschlagspläne stieß. Interessanter Konflikt, aber dann fehlte die Zeit zum Weiterschreiben.
2011, einige Wochen nachdem die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds bekannt geworden waren, nahm ich das Fragment wieder auf – aus den Islamisten wurden Neonazis, fast alles änderte sich, aber Schmitt blieb, wie sie war. Das Buch erschien 2015 unter dem Titel „Schmitts Hölle – Verrat“.
Damit ist klar, woher die Ideen kommen: aus der Wirklichkeit.
Auch Schmitt hat reale Vorbilder, unter anderem eine Frau, die als politischer Häftling missbraucht worden war und inzwischen mit ihrem Peiniger zusammenlebt. Die hochkomplexe Frau wollte nicht, dass ich das spannende und anrührende Interview, das ich mit ihr geführt hatte, veröffentliche – in Schmitt lebt das Motiv dann doch unter anderen Vorzeichen in einem Text auf.

Deine Erfahrungen nach der Veröffentlichung?

Zwei von den Büchern recht angetane Literaturagentinnen bekamen von Verlagen zu hören, dass Schmitt zu hart, zu türkisch und zu muslimisch, die Thriller zu politisch, das Ganze insgesamt nichts für den deutschen Markt sei. Oder die machten Angebote, die nicht mal das von mir bezahlte Lektorat refinanziert hätten. Also veröffentlichte ich die Bücher selbst.
Dann standen sie erst mal monatelang in den Politthriller-Top-Zwanzig der Amazon-E-Books.
Ich bin sehr zufrieden, schon weil immer wieder zu hören ist, dass, Zitat eines Verlags, „Politthriller nur von skandinavischen oder amerikanischen Autoren beim deutschen Leser laufen“. Ganz so ist es dann wohl nicht.

Welches Genre liest du selber?

Sachbücher – hauptsächlich Politik, Geschichte, Kunst und Architektur –, selbstverständlich Thriller.
Außerdem natürlich Thriller.
Und Thriller.

Lieblingsautor?

Maurice G. Dantec, ein etwas verrückter Franzose, ist leider vor ein paar Jahren jung gestorben. Seine düsteren, teils surrealen Thriller beweisen, dass nichts dagegen spricht, dass auch jemand, der ziemlich durchgedreht oder Paranoiker ist, durchaus Feinde haben kann.

Planung für 2017 … schreibst du etwas im Moment?

Ja, der vierte Schmitt-Thriller beendet die „Hölle“-Reihe. Es geht um ganz große Politik, das Land steht auf der Kippe zum Chaos, und Sibel Schmitt, die sich eigentlich nur in Ruhe um ihre Tochter kümmern will, gerät mitten hinein … Das Buch soll Mitte des Jahres erscheinen.

Hast du ein Lebensmotto?

Gib Arschlöchern keine Chance.



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