Donnerstag, 4. Mai 2017

Leseprobe von Klara Bellis ihrem Buch "Trywwidt-Falsche Freunde"



Guten Morgen!   anbei eine Leseprobe aus „Trywwidt – Falsche Freunde“, Band 2 meines Urban-Fantasy-Projekts. Die Stelle erinnert ein bisschen an Chick-Lit, um die Leser auf eine Spur zu locken, die nicht unbedingt die richtige sein muss. Infos zum Buch: http://klarabellis.de/trywwidt-ein-urban-fantasy-roman/ Viel Spaß beim Lesen!
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Von wegen Pullunder und verschwitzte Achselhöhlen – und Kassator hieß e...r auch nicht. Ira Wiltruds Herz wummerte bis zum Hals. Dabei lag David Cazadors Wohnung im zweiten Stock. Die paar Treppenstufen boten ihrem Kreislauf definitiv keinen Grund, durchzudrehen. Der Anlass für das akute Herzpochen lag woanders. Besser gesagt, er stand direkt vor ihr im Türrahmen: Ein Mann, Mitte dreißig, bei dem es sich um das sprichwörtliche Bild von einem Mann handelte. Ein Bild, das „Guten Tag“, sagte.
„Äh ... also ... ich ...“ Ira schluckte. Nach drei entsetzlich langen Zehntelsekunden hatte sie ihr Sprachzentrum so weit unter Kontrolle, dass es für ein verlegenes Nuscheln reichte. „Tach! Würd mir gern mal die Wohnungen ansehn.“
Sie versuchte in ihrer übergroßen Winterjacke unterzutauchen und hielt nach Holger Siebold Ausschau, der sie – die manchmal ein klein wenig einsame Single-Frau – ohne Vorwarnung hier hergelockt hatte.
David Cazador, der sie mit neugierigen Blicken musterte, sah definitiv nicht wie ein verhuschter Sektierer aus. Er trug eine blaue Jeans und einen braun melierten Strickpullover, der seine athletische Figur betonte. Die kurzen, flachsblonden Haare waren ein wenig verstrubbelt. Sie passten gut zu den himmelblauen Augen und dem verschmitzten Grinsen im Gesicht, das ein verwegener Fünf-Tage-Bart umrahmte.
Wie schade, um das Grübchen am Kinn, wenn bald das Bartgestrüpp alles überwuchert, dachte sie. Wenigstens bei der Brille hatte sie recht behalten, die sie Siebolds Bekanntem vorhin angedichtet hatte. Wobei es sich um keine Nickelbrille handelte. „Hipsterbrille“ nannte Henryk, Korwins Studiotechniker, diese Art von Brillen mit extra dickem Rahmen.
„Hallo Frau Willtrud!“, krächzte Holger Siebolds heisere Stimme aus den Tiefen der Wohnung. „Schön, dass Sie so schnell kommen konnten.“ Seine rote Erkältungsnase leuchtete ihr von Weitem entgegen. „Ich gebe Ihnen mal lieber nicht die Hand.“ Er tippe sich an die Nase. „Hier ist der Mann mit dem gebündelten Fachwissen und mit den Wohnungsschlüsseln.“ Siebold zeigte auf das Bild von einem Mann. An Cazador gewandt sagte der kränkelnde Arzt: „Dann machen Sie mal ein, zwei Entwürfe. Nur Skizzen, nichts Aufwendiges. Ist ja nur ein Gartenhäuschen und in einer Woche treffen wir uns wieder.“ Während er sprach, fingerte er ein überdimensionales Taschentuch aus seinem grauen Wintermantel und putzte sich trötend die Nase.



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