Mittwoch, 3. Mai 2017

Leseprobe mit Verena Grüneweg



Einige von euch haben mein Jugendfantasybuch Malvadins Zauber »Wusch« ja bereits gelesen und für gut befunden. Doch für alle, die meinen Roman noch nicht kennen, habe ich heute die grandiose Möglichkeit von Bea-Te Majewski und Michaela Kronawitter erhalten, eine Leseprobe zu posten. Ich hoffe das Kapitel welches ich ausgewählt habe, macht neugierig und es wäre schön, wenn meine kleine Hochelbrax noch mehr Freunde findet, die ihre Geschichte lieben.
Jetzt aber viel Spaß beim Lesen:
Wusch hob den Kopf und die Verzweiflung lag in ihren Augen.
,,Vater, ich kann das nicht, nein, ich will es auch nicht. Gib jemand anderem – wie Athandran oder Phiadora – diese schwere Aufgabe. Ich will nur hier bei dir bleiben. Habe ich es nicht verdient, glücklich zu sein?“, schluchzte Wusch.
Zornig sprang Zerza auf: ,,Schweig, Tochter, und sieh dort rüber. Siehst du es? Siehst du, was passiert, wenn du dich weigerst? Schau genau hin, sie sterben, Wusch, sie sterben alle – willst du das?“
Und Wusch sah hin.
Dort am Rande der Wiese, nahe den Bäumen, erhob sich ein Flammenmeer; qualvolle Schreie gellten aus ihm zu ihnen rüber. Sie sah Menschen, die versuchten, dem Inferno zu entrinnen. Sie kamen nicht weit! Kreaturen wie Dragon brachen aus dem Feuer hervor und töteten sie. Es war grausam für Wusch, es mit anzusehen und nichts dagegen tun zu können. Aber es sollte keinesfalls alles sein, das Schlimmste wartete noch auf Wusch. Deutlich erkannte sie die Wesen, die jetzt aus der Feuersbrunst nach vorne stürmten. Athandran, Phiadora, Wolf, sie alle kämpften in dieser Hölle. Seite an Seite setzten sie sich zur Wehr und beschützten die Wenigen, die noch übrig blieben. Jedoch die Übermacht des Feindes beendete die Schlacht, und ihre Freunde fielen ihrem Gegner zum Opfer. Wusch wollte zu ihnen rennen, aber Zerza hielt sie zurück. So konnte sie nur weiter zusehen, wie zwischen unzähligen Toten zwei Gestalten auftauchten.
Niemals würde Sie den Anblick Dragons vergessen, denn genau er stand triumphierend dort. Gemeinsam mit einer fremden Frau jubelte er und feierte seinen Sieg. Die Frau, wunderschön anzusehen, wie ihre roten Haare sie umfluteten, reckte die Arme zum Himmel empor. Worte, von ihr gesprochen, verhallten ungehört für Wusch. Aber als sie endete, durchdrang die Erde ein Beben. Erst nur ein Zittern, steigerte es sich zu einer Erschütterung, die ganze Bäume umstürzen ließ. Wusch taumelte, und um nicht den Halt zu verlieren, klammerte sie sich an Zerza. Mit aufgerissenen Augen registrierte sie, wie die Erde zu den Füßen der Frau aufbrach. Ein Riss entstand auf der Erdoberfläche, und je weiter er wanderte, umso größer klaffte die Spalte auf. Die Welt öffnete gierig ihren Schlund. Wehrlose Kämpfer des Guten verschlingend, alles in den Abgrund ziehend, kam sie Wusch und Zerza immer näher. Wie ein Dämon fraß sie alle, die tugendhaft und mit reinem Herzen ihr Leben verteidigten. Ein Krieger nach dem anderen fiel dem Rachen der Hölle zum Opfer, nur die Handlanger des Bösen blieben verschont.
Laut auflachend verließen Dragon und seine Gefährten den Ort des Grauens. Sicher, ihr Werk vollbracht zu haben, hielt sie dort nichts mehr. Wusch ahnte, was sie vor hatten, wohin sie gehen würden. Die beiden würden von Ort zu Ort weiterziehen, jede Stadt, jedes Land und jedes Lebewesen, das sich ihnen in den Weg stellte, auslöschen, das war ihr Plan.
Überflutet vom Blut der Opfer, machte das Licht der Liebe der Finsternis des Hasses Platz. Das letzte bisschen Gutes, sterbend mit jedem Schritt, den sie taten, zurücklassend. Malvadin wurde zu einer Welt des Schreckens, in der Dragon und die Frau an seiner Seite über alles herrschten.
Wusch schlug die Hände vor ihr Gesicht und brach weinend zusammen. Immer wieder stammelte sie: ,,Nein, nein.“
Zerza kniete sich vor ihr nieder und strich ihr beruhigend übers Haar. ,,Steh auf und sieh hin, mein Kind, es ist nur eine Vision, wie die Zukunft ohne deine Hilfe aussehen wird. Eine Gnadenfrist bleibt dir noch. Du kannst es abwenden, doch du musst es wollen.“
Aber Wusch wollte nicht hinschauen. Es war unerträglich für sie, weiter dem Anblick die Katastrophe mit anzusehen. Verneinend schüttelte sie den Kopf. Vorsichtig zog Zerza ihre Hände von ihrem Gesicht und hielt diese in seinen Händen. Leise und sanft sprach er auf Wusch ein:
,,Bedecke deine Augen nicht. Es gibt keinen Grund dafür. Glaube mir, alles ist wieder genauso, wie es vorher war.“
Und als sie seinen Worten folgte, erspähte sie das Bild der Freude, des Glücks, jenes, das sie sah, bevor die Apokalypse ihren Verlauf genommen hatte. Die Sonne schien, die Vierblitzer grasten friedvoll, Lachen und Singen klangen fröhlich herüber.
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