Mittwoch, 3. Mai 2017

Leseprobe mit Calin Noell



Guten Morgen ihr Lieben <3
Ich schreibe erotisch angehauchte Fantasy. Bisher erschienen Janaii, eine bereits abgeschlossene Trilogie, meine Seelenschwingen-Reihe, hier schreibe ich gerade an Band 4 und Anfang Juni 2017 erscheint der 1. Band »Myria« meiner neuen 2-teiligen Reihe »Mittlerin zwischen den Welten«.
Michaela hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, heute eine Leseprobe aus einem meiner Bücher einzustellen. Da bin ich natürlich sehr gerne dabei!!! Vielen Dank dafür!
Euch allen einen wunderschönen Tag!
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Janaii – Die Erwartete
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Klappentext:
Wenn alle Welt glaubt, dein Schicksal bereits zu kennen - dein Herz jedoch etwas ganz anderes verlangt - was tust du dann? Nach dem Sturz vor einem Restaurant folgt ein böses Erwachen irgendwo im Nirgendwo und zwingt sie, plötzlich an Dinge zu glauben, die sie nie zuvor für möglich hielt. Es beginnt eine abenteuerliche Reise, die nicht nur ihren Mut und Glauben mehrfach auf eine harte Probe stellt, sondern auch ihr Herz. Als sich dann noch ihre Magie entfaltet, scheint plötzlich nicht einmal mehr ihr Schicksal zu wissen, wohin ihr Weg sie führen wird... Ein magischer Fantasy-Roman, der sinnlich prickelt!
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Zwei Männer kamen auf das Podest zu. Sie fielen mir sofort auf! Ich beobachtete das erste Mal, dass sich der Sumi vor jemandem verneigte, mehrfach. Interessant! Also scheint er so hochgestellt, wie ich bisher annahm, nun auch wieder nicht zu sein! Der weizenblonde Mann erschien ein wenig jünger als ich selbst. Seine Frisur, völlig strubbelig, verlieh ihm ein unordentliches, aber unheimlich sympathisches Aussehen. Zum Pferdestehlen!, dachte ich sofort. Den anderen schätzte ich vielleicht drei Jahre älter als mich, so Mitte zwanzig. Mit versteinerter Miene schritt er neben dem Sumi her. Er war ziemlich groß, bestimmt 1,85m, was bei den Männern, die ich bisher gesehen hatte, wirklich beachtlich schien. Allerdings gab es hier nur wenig Vergleichsmöglichkeiten! Rabenschwarzes Haar, das locker über seine Schultern fiel und unglaubliche strahlend blaue Augen. Sein Gesicht aber, eine erstarrte, vollkommen ausdruckslose Maske. Er wirkte hart und abweisend! Nichts ließ erkennen, ob er schon jemals in seinem Leben gelächelt hatte.
Ich versuchte, einen unbeteiligten Anschein zu erwecken, starrte stur geradeaus und erhaschte dadurch nur ein paar kurze Blicke. Irgendetwas an ihm ließ mich innehalten, klang bei mir an. Dumme Kuh!, schalt ich mich selbst. Der sieht aus wie ein vertrockneter Sauertopf, daran ändern diese wunderschönen Augen auch nichts! Die Absichten von Sumi hingegen schienen sofort klar. Er rechnete offenbar nicht mehr damit, dass heute weitere potentielle Kunden erscheinen, und wollte mich wohl nur noch so schnell wie möglich loswerden. Und da dieser Mann anscheinend als Ori infrage kam, lenkte er ihn geschickt in meine Richtung. Allerdings nicht annähernd geschickt genug! Ich wurde das Gefühl nicht los, dass dieser unbekannte Fremde dieses Spiel schon längst durchschaut hatte.
»Seht doch hier, eine exotische Blume, die nach einem Ori sucht. Wäre das nicht für Euch die Gelegenheit, Eure Schuld Taalie gegenüber zu begleichen und eine Obhut zu gewähren? Ihr wisst, selbst Euer Uthaou tilgte sie!«
»Ich nahm den langen Weg hierher nicht auf mich, um die Frage zu klären, ob die Spanne erreicht ist, mich als Ori zu beweisen. Ich suche einen Einfachen, das erklärte ich bereits. An mehr bin ich nicht interessiert!« Mit diesen Worten blieben sie vor mir stehen. Kalt betrachtete er mich und Asuhs trat ebenfalls dazu, verbeugte sich mehrfach vor ihnen. Von den anderen unbemerkt, positionierte sich ein weiterer Mann hinter die beiden Fremden. Er war mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Der Kleidung nach zu urteilen, ein Einfacher, der sich nun still und leise hinter Asuhs stellte.
Interessant! Ein Bodyguard?
Der versteinerte wandte sich mir zu und der Bodyguard eilte plötzlich in meine Richtung, schrie mich an: »Auf die Knie, Ihr! Auf die Knie!«
Vollkommen fassungslos sah ich mich um. Wäre die Situation nicht so absurd gewesen, ich hätte fürchterlich gelacht, so jedoch starrte ich ihn nur absolut entgeistert an. »Verzeiht ihr mein Herr, sie stammt von sehr weit her und ich befürchte, sie versteht Eure Sprache nicht!«, schaltete sich Asuhs ein. »Sie spricht aber Rough!«
Angewidert verzog der potentielle Ori das maskenhafte Gesicht. Oh, er kann also doch eine Regung zeigen?! Arsch!
Abweisend blickte er auf Asuhs herab und zog dabei eine Braue in die Höhe. »Wer richtete denn dich derart zu?«
Während Asuhs sich tief verbeugte, warf er mir einen hasserfüllten Seitenblick zu und ich versuchte, mein Grinsen zu verbergen, vergeblich! Ich gab es auf und grinste frech. Scheiß auf stur geradeaus schauen!, dachte ich und sah den Versteinerten an. Stolz reckte ich mein Kinn und straffte meine Schultern. »Ich, ich war das! Und nein, ich habe keinerlei Verständigungsprobleme!« Ruhig, ganz ruhig, jetzt bloß keinen Fehler machen! »Ich verstehe Euch ausgezeichnet, jedes einzelne Wort!«
Ich hielt seinen Blick und zog nun ebenfalls meine Braue in die Höhe. Nur kurz zuckte ich vor Schmerz zusammen. Verdammte Beule! Jetzt griff erneut der Einfache nach mir, zögerte jedoch, weil mich alle sprachlos oder vielleicht auch eher schockiert, anstarrten. Ich sah den Einfachen grimmig an, dann wieder den versteinerten Kerl. »Und - nein, danke! Ich werde nicht vor Euch im Dreck knien!«
Asuhs, der sich anscheinend als Erster erholt hatte, funkelte mich derart wütend an, dass ich glatt das Atmen vergaß. Wie war das mit: Ich schalte mein Gehirn ein, bevor ich etwas sage? »Was erlaubt Ihr Euch?!«
»Meine Güte Mädchen!«, schaltete sich der Sumi hastig ein. »Kniet nieder, als Zeichen des Respekts und Eurer niederen Geburt! Das könnte Euer künftiger Ori sein!«, flehend stieß er die letzten Worte hervor.
Ich glaubte, mittlerweile hätte er mich verschenkt, wenn Steingesicht ihn dadurch von mir befreien würde. Sah ich da ein Schmunzeln über dessen Züge huschen? Mist, ich war zu abgelenkt durch den Sumi. Nichts war mehr zu erkennen, gar nichts.
»Meinen Respekt muss man sich verdienen. Ich gewähre ihn niemals im Voraus!« Wow, klasse Satz! Sie starrten mich an, ich besaß die absolute Aufmerksamkeit aller Anwesenden, selbst die Einfachen hatten mittlerweile ihre Angst überwunden und betrachteten mich ungläubig. Und dann hörte ich … Gelächter …?! Ein echtes, total herzliches, ansteckendes, ehrliches Lachen! Ich konnte ihn nicht sehen, weil Asuhs, Sumi und der Einfache, der mir weiterhin an den Kragen wollte, mir die Sicht versperrten. Doch nun wandten sie sich um und gaben den Blick auf die noch immer schallend lachende Person frei.
Der weizenblonde Mann lachte, aus vollem Herzen, ihm saßen schon Tränen in den Augen und er schien kaum noch in der Lage, sich aufrecht zu halten. »Dahir, Ihr müsst sie nehmen. Werdet ihr Ori! Oh bitte, ich werde nie wieder triste Mondläufe verleben!«, entgegnete er grinsend und blickte den versteinerten an. Mir zwinkerte er unverschämt zu. Ich konnte es gar nicht fassen!
Der Sumi stürzte sich nun auf, wie nannte er ihn, Dahir, genau. »Mein Herr, ich gebe zu, sie scheint ein wenig ungestüm, aber sie ist intelligent, spricht Rough und Tolorian. Ihre Unterweisung wird dadurch ein Leichtes sein!«
»Pah, ich benötige einen Einfachen, keine Vagous!«
»Herr, weil ich weiß, dass sie bei Euch in wahrlich guten Händen ist, überlasse ich sie Euch für zweihundert Ruhd. Das ist ein angemessener Preis für so eine Kalija. Unter anderen Umständen verlangte ich das Zehnfache!«, ereiferte er sich und warf mir einen gequälten Blick zu.
Bei der genannten Summe geriet Asuhs augenblicklich in Bewegung, aber der Sumi hielt ihn mit nur einer Handbewegung auf.
»Galo gewahrtest du einen Einfachen, der für uns geeignet erscheint?«
»Ja Herr, wenn Ihr mir folgen wollt!« Er ging, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen.
Hatte ich etwa zu hoch gepokert? Nein, ich bildete mir das nicht ein, er war interessiert, oder nicht?
Sie gingen hinüber zu dem Unfreien, der mir nach meinem Schlag zugezwinkert hatte, und begutachteten ihn. »Wer richtete dich derart zu?«
Galo zwang den Einfachen auf die Knie. »Rede!«
»Mein Herr, ich kenne ihre Namen nicht!«
Dahir wandte sich dem Sumi zu und maß ihn mit gefährlichem Blick. »Solltet Ihr erneut Einfache so zurichten, lasse ich die Schuldigen hängen, und ebenfalls alle, die ebendies stillschweigend dulden. Dieser hier benötigt mindestens die Hälfte eines vollständigen Mondlaufs, um zu heilen!«
Der Sumi zuckte zusammen. »Verzeiht mir Herr, ich trage Sorge dafür, dass es nicht wieder geschieht! Ich gebe Euch mein Wort!«
»Was verlangt Ihr für ihn, in diesem Zustand?« Sehr taktisch, wirklich, äußerst geschickt! Jetzt muss er gedanklich schon mal runtergehen. Den üblichen Preis wird er nicht mehr erzielen! Das hatte selbst der Sumi mittlerweile begriffen.
»Fünfzig Ruhd, Herr, er ist außerordentlich kräftig, gute Zähne, wie Ihr seht!«
Gemächlich schlenderte Dahir zu mir zurück, umrundete mich und blieb direkt vor mir stehen. Nach einem weiteren Blick griff er nach meinem Gewand und zog daran. Dann beugte er sich vor und schaute von oben in die Tunika hinein. Nun konnte er nicht nur meinen Ausschnitt bewundern, nein, tiefere Einblicke waren wohl kaum möglich - unter dem Kleid war ich noch immer vollkommen nackt!
Meinem spontanen Impuls mal wieder nachgebend, rammte ich ihm meine Stirn gegen seinen Kopf, zuckte vor Schmerz zusammen und fluchte innerlich. Das tat mir mit Sicherheit um einiges mehr weh, als ihm selbst! Er aber sah mich schweigend an, bewegte nicht einen einzigen Muskel und verzog keine Miene.
Asuhs, Sumi und der Einfache stürzten augenblicklich auf mich zu, blieben dann jedoch unschlüssig stehen, als Dahir sich nicht weiter dazu äußerte und diesen Vorfall schließlich vollkommen ignorierte. »Sie ist groß und dennoch sehr zierlich, nicht nur oben herum …!« Er ließ die Worte in der Luft hängen und ich wäre ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen.
Solch eine Demütigung musste ich noch nie über mich ergehen lassen und ballte vor Wut meine Hände zu Fäusten. In diesem Moment hasste ich ihn aus vollem Herzen. Ganz und gar und sehnte den Augenblick herbei, an dem man mir die Ketten abnahm. Ich wollte ihn eigenhändig erwürgen, sehr langsam und unendlich qualvoll!
Die ganze Zeit über starrte er mich an. Keiner von uns blinzelte, bis er sich schließlich gelassen von mir ab und dem Sumi zuwandte. Immerhin, ein kleiner Sieg für mich! Hoffentlich bekommt er wenigstens Kopfschmerzen! Ich jedenfalls hatte welche, noch immer und nun schlimmer als zuvor. Mist, verdammter! Blut lief mir von der Stirn herunter und ich versuchte, genervt und behindert von den Fesseln, es mit der Hand abzuwischen und verdrehte die Augen. Wie kann man eigentlich nur so dämlich sein, wie ich es bin?
Plötzlich stand der Weizenschopf vor mir und hielt mir ein Tuch hin. »Mein Name lautet Jarin, 2. Sohn des Dahar, verzeiht meinem Uthu seine Grobheit. Er weiß es einfach manchmal nicht besser.«
Dahir stockte kurz in seinen Schritten, oder kam es mir nur so vor? Egal, ich hasste ihn ja sowieso!
Die beiden sind also Brüder? Unfassbar! Wirken sie doch so vollkommen unterschiedlich!
»Ihr erlangt zweihundert Ruhd. Das Mädchen nehme ich als Ori in meine Obhut und begleiche damit meine Schuld gegenüber Taalie. Das ist mehr als angemessen. Galo? Hier, kümmere dich ...« Er wandte sich zu dem Einfachen um. »Wie lautet dein Name Junge?«
»Sohl, Herr, mein Name lautet Sohl!«
»Galo wird sich deiner annehmen. Pack deine Sachen und bring auch die ihren mit!«, wies er an und deutete dabei auf mich. Sohl nickte, wartete aber das Nicken des Sumi ebenfalls ab und verschwand dann.
»Sumi gebt mir die Schlüssel für die Fesseln!«
Sogleich winkte er einem Einfachen zu, der mich endlich befreien würde.
»Halt! Ihr deutet mich fehl! Ich nehme die Schlüssel an mich und verlange nicht, dass er sie entfernt!« Bei diesen Worten drehte Dahir sich zu mir um und ich schwöre, trotz versteinerter Maske sah er mich unfassbar selbstgefällig an.
Unglaublich! Sagte ich eben, ich würde ihn hassen? Ha, lächerlich, das war Kindergarten! Jetzt hasse ich, abgrundtief und wirklich bösartig!
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                                                     Kommt Anfang Juni (2 Bände)

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